Physios rekrutieren: Kanäle, Strategien und Tipps
- Dominik Dihr
- 17. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Jan.
Es hat zu wenig gute Physios: In der Schweiz herrscht ein Mangel an qualifizierten Physiotherapeut:innen, wie eine Studie des Schweizerischen Verbands Freier Berufe (SVFB) aufzeigt. Offene Stellen bleiben oft lange unbesetzt – trotz grosser Flexibilität seitens der Arbeitgeber und teuren Inseraten. Das stellt viele Praxen und Spitäler vor Herausforderungen. Die grosse Frage lautet: Wie besetzen wir offene Stellen in der gewünschten Zeit mit den passenden Fachkräften?

Dieser Beitrag listet Rekrutierungskanäle und -Ideen für Ihre Praxis oder Abteilung auf. Der Fokus liegt bewusst auf Bekanntmachung und Reichweite – nicht darauf, wie Sie sich als Arbeitgeber präsentieren. Dieses Thema greifen wir in einem separaten Blogbeitrag auf.
Kanäle, Strategien und Ideen für die Rekrutierung
1. Plattformen für Physiotherapiestellen
Der einfachste Weg zu Reichweite und Aufmerksamkeit sind digitale Stelleninserate. In der Schweiz gibt es eine grosse Vielfals an Jobbörsen, wobei für die Physio-Branche entweder auf die Physiotherapie oder das Gesundheitswesen spezialisierte oder die universalen Plattformen in Fragen kommen.
Spezialisierte Physiotherapie-Jobbörsen
Fachspezifische Jobportale sind oft der effektivste Weg, um Physiotherapeut:innen zu erreichen. Die Nutzer:innen dieser Plattformen sind Physios und gezielt auf Stellensuche. Der Rücklauf hat auf diesen Portalen die beste Qualität. Die meistbesuchten spezialisierten Physio-Jobseiten sind:
Jobportale für die Gesundheitsbranche
Es gibt auch einige Portale, die Jobs aus dem Gesundheitssektor abdecken. Meist ist auf diesen Portalen ein Berufszweig starkt Vertreten, selten ist es die Physiotherapie:
Allgemeine Jobportale mit grosser Reichweite
Die universalen Plattformen sind ideal, um die Reichweite und Sichtbarkeit zu maximieren - allerdings ist hier mit grossem Streuverlusten und auch unqualifiziertem Rücklauf zu rechnen:
2. Physiotherapeut:innen über Social Media finden
Social Media kann die Personalsuche ergänzen, ersetzt klassische Rekrutierungskanäle jedoch kaum.
Instagram eignet sich vor allem für Praxen mit bereits grosser Reichweite. Stelleninserate werden zwar gesehen, aber kaum geteilt und erzielen in der Regel keine hohe Reichweite ausserhalb der bestehenden Followerschaft. Insta eignet sich deshalb mehr, um ein Image aufzubauen und so Stellensuchende anzusprechen.
LinkedIn bietet die Möglichkeit, gezielt nach Physiotherapeut:innen zu suchen und diese direkt anzuschreiben. Dafür stehen auch kostenpflichtige Recruiting-Tools zur Verfügung. Der Nachteil: Der Aufwand ist hoch, die Kosten nicht unerheblich, und der Erfolg hängt stark von Zeitinvestition und Erfahrung im Active Sourcing ab. Tendenziell tummeln sich immer mehr Physios auf LinkedIn, es kann sich lohnen, diesen Kanal im Auge zu behalten.
Fazit: Social Media kann sinnvoll sein, um Stellen zusätzlich sichtbar zu machen – als Ergänzung, nicht als Hauptkanal.
3. Physiotherapeut:innen im Ausland ansprechen
Ein zunehmend wichtiger Rekrutierungsweg ist die Suche nach Physiotherapeut:innen im Ausland. Viele gut ausgebildete Fachpersonen aus der EU interessieren sich für eine Tätigkeit in der Schweiz, wie die Zahlen zeigen.
Ein bewährter Weg um diese Zielgruppe zu erreichen sind die oben genannten Stellenportale, denn wer mit einer Anstellung in der Schweiz liebäugelt, sucht auf Schweizer Websites. Entscheidend ist somit weniger der Rekrutierungskanal als das klare Signal: Bewerbungen aus dem Ausland sind willkommen. Ein kurzer Hinweis im Inserat und die Bereitschaft, beim Einstieg oder bei organisatorischen Fragen zu unterstützen, senken die Hemmschwelle für eine Bewerbung zusätzlich.
Eine andere Möglichkeit um Physios aus dem Ausland zu erreichen, sind Personalvermittlungen, die im Ausland rekrutieren. Siehe dazu das nächste Kapitel.
4. Personalvermittlungen in der Physiotherapie
Headhunter und spezialisierte Personalvermittlungen können in bestimmten Situationen eine sinnvolle Ergänzung der Rekrutierung sein – etwa bei dringend zu besetzenden Stellen oder bei Führungs- und Schlüsselpositionen. Es gibt auch Personalvermittlungen, die gezielt im Ausland rekrutieren. Diese sprechen Kandidat:innen aktiv an und begleiten sie teilweise bis zur Anerkennung und Einreise.
Der Vorteil liegt in der aktiven Ansprache von Kandidat:innen. Gleichzeitig sind diese Dienstleistungen meist mit höheren Kosten verbunden und lohnen sich vor allem dann, wenn andere Kanäle ausgeschöpft sind.
FazitFür viele Praxen empfiehlt sich der Einsatz von Headhuntern daher als gezielte Ergänzung, nicht als primärer Rekrutierungsweg. Eine klare Kosten-Nutzen-Abwägung ist dabei entscheidend.
6. Netzwerk und Mitarbeitende als Rekrutierungskanal nutzen
Bestehende Mitarbeitende sind oft ein unterschätzter Rekrutierungskanal. Es kann sich lohnen offene Jobs mit Mitarbeitende zu teilen, damit diese die Stelle an Physio-Kolleginnen und -Kollegen weiterleiten.
Physiotherapeut:innen verfügen über ein breites Netzwerk aus dem Studium und kennen Kolleg:innen, die offen für einen Stellenwechsel sein könnten. Manche sind in Chat-Gruppen in Whatsapp aktiv und können den Job posten.
Vermittlungs- oder Empfehlungsprämien können diesen Effekt gezielt verstärken: Wird eine empfohlene Fachperson eingestellt, erhält der oder die Mitarbeitende eine Prämie – häufig nach bestandener Probezeit. Solche Empfehlungen führen oft zu:
besserer fachlicher und menschlicher Passung
schnelleren Besetzungen
geringeren Rekrutierungskosten
Natürlich sollten auch Sie als Inhaberin oder Leiter der Praxis ihr Netzwerk nutzen. Pflegen Sie eine Liste von ehemaligen Mitarbeitenden, Praktikant:innen, Kolleg:innen und Bekanntschaften aus der Branche, die sie bei Bedarf kontaktieren können.
Fazit: Reichweite entsteht durch Kombination
Ein einzelner Kanal reicht heute oft nicht aus. Erfolgreiche Praxen kombinieren mehrere Massnahmen. So erhöhen Sie Ihre Sichtbarkeit und verbessern die Chancen, passende Physiotherapeut:innen für Ihre Praxis zu finden.


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